Mathias Wirtz

Freier DozentThema: Gewalt in der Pflege

Mathias Wirtz ist Gerontologe mit Schwerpunkt Menschen mit Demenz sowie Theaterwissenschafter.
Er hat in verschiedenen Positionen mit und für Menschen mit Demenz gearbeitet: in der ambulanten Pflege, als Leiter von Demenz-Pflege-Wohngemeinschaften, Koordinator eines Angebots zur Unterstützung im Alter und aktuell als freier Dozent und als Berater bei „Pflege in Not Berlin“.
Mathias Wirtz engagiert sich ehrenamtlich als 2. Stellvertretender Vorsitzender in der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg und steht im Rahmen des Projekts „Demenz-Partner“ der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft für kostenfreie Fortbildungen zu Demenz für alle Bürger*innen zur Verfügung, die das Thema interessiert.

1 Gewalt

Menschen mit Demenz sind mit einer spezifischen und totalen Form von Diskriminierung und Gewalt konfrontiert: Ihnen wird wegen ihrer kognitiven Beeinträchtigung von professionellen Akteuren des Gesundheitswesens abgesprochen, eine Person zu sein. Ein Gegenüber, das eine Auseinandersetzung wert ist.

Wegen dieser Haltung werden sie nicht gehört, übergangen, bevormundet, ausgeschlossen, ignoriert – kurz: zum Objekt gemacht.

Diese Haltung bildet den Boden für physische und psychische Gewaltakte gegen sie.

2 Gewaltfreiheit

Es gibt ein Gegenkonzept zu dieser Sicht auf Menschen mit Demenz: Die Personzentrierte Pflege. Diese Konzept betrachtet die betroffenen Menschen auch mit ihrer schweren Beeinträchtigung weiter als Subjekte und kreist um zwei Fragen: Wie kann ich ihre Bedürfnisse erfüllen? Wie kann ich sie beim Erhalt ihrer Identität unterstützen, die vom Erleben der Demenz bedroht ist?

Die Personzentrierte Pflege zeigt eine andere Haltung gegenüber den Menschen mit Demenz; diese Haltung kann Ausgangspunkt für einen gewaltfreien Umgang mit ihnen sein.

Aber: Das Konzept ist weit entwickelt und leicht verfügbar; es wird von Pflegenden  umgesetzt – trotzdem erfahren Betroffene immer noch, dass sie von Akteuren des Gesundheitswesens autoritär und entmündigend behandelt werden. Wie kann das sein?

3 Weg zur Gewaltfreiheit

Für diesen Widerspruch gibt es zwei Gründe: Mangel an Wissen und Mangel an ethischer Reflexion.  Beides kann durch Wissenstransfer und Wissenszirkulation  überwunden werden.

Dann kann der Umgang mit Menschen mit Demenz nicht nur gewaltfrei, sondern für alle Menschen, die ihnen begegnen, auch äußerst bereichernd sein: Wenn wir Menschen mit Demenz als gleichberechtigtes Gegenüber anerkennen, haben wir die Chance, allein in Deutschland 1,7 Millionen beeindruckende und reiche Persönlichkeiten mit einer spannenden Lebensgeschichte kennen zu lernen – Persönlichkeiten mit Demenz.

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