Wolf Ortiz-Müller

Autor & LeitungStop – Stalking, KUB e.V.Thema: Beziehungsgewalt / häusliche Gewalt

Wolf Ortiz-Müller, psychologischer Psychotherapeut, ist Leiter und Mitgründer der Berliner Beratungsstelle Stop-Stalking, die seit 2008 mit mehr als 1000 Stalker*innen arbeitet und seit 2014 bereits rund 4000 Stalking-Betroffene beraten hat.

Als Herausgeber des Buchs „Stalking- Das Praxishandbuch“ lässt er mehr als 20 namhafte Expert*innen, Betroffene und Täter*innen zu Wort kommen, um die vielen Facetten des Stalking zu beleuchten.

Die Täterarbeit mit den Stalker*innen findet er so wichtig, denn oft sind die Opfer erst dann nachhaltig geschützt, wenn es gelungen ist, die Täter*innen zum Aufhören zu bewegen. Wer weiß, wie die Täter*innen „ticken“, kann die Betroffenen besser beraten. Die Taten zu verurteilen, aber nicht die Täter*innen kennzeichnet die Haltung der Beratenden. Verstehen zu wollen, bedeutet nicht, Verständnis zu haben.

Stalking, das Nachstellen und Belästigen einer anderen Person, tritt in allen Altersgruppen und Bevölkerungsschichten sowie bei allen Geschlechtern auf. Dies gilt für die Betroffenen wie auch für die Menschen, die stalken. Es stellt in vielen Fällen für beide Seiten ein erhebliches Problem dar. Die Folgen für Betroffene können u. a. Angst, Panikattacken, Depressionen, Schlafstörungen, psychosomatische Beschwerden, Arbeitsunfähigkeit, sozialen Rückzug und Einsamkeit umfassen.

Doch auch die Menschen, die stalken, leiden oftmals unter dem eigenen Stalking-Verhalten und dessen möglichen Auswirkungen wie u. a. innerer Leere, geringem Selbstbewusstsein, Scham- und Schuldgefühlen, Frustration, Kontrollverlust, Einsamkeit und sozialem Rückzug, Problemen mit Polizei und Justiz, Verlust von Zeit und Energie.

Wir verstehen Stalking als ein Geschehen, dem häufig eine missglückte Beziehungsgestaltung voran ging (Fiedler 2006). Dann betrifft es nicht ein isoliertes Individuum, sondern Menschen, die eine Vorgeschichte miteinander hatten, von der einer nicht loslassen will. Manchmal wurden Signale von Nähe bzw. Distanzierung fehlinterpretiert, manchmal glaubt die stalkende Person, noch ein Recht auf weitergehende Erklärungen zu haben, manchmal fällt es auch der betroffenen Person schwer, sich eindeutig und unmissverständlich abzugrenzen. Dennoch bleiben die Verantwortung und die strafrechtliche Schuld für das Stalking bei dem Menschen, der stalkt. Mit ihm bzw. ihr wollen wir erarbeiten, was er bzw. sie braucht, um ohne Stalking wieder selbstbestimmt leben zu können.

Die Beratungsstelle Stop-Stalking berät darum sowohl Betroffene von Stalking als auch Menschen, die stalken, sowie Angehörige und Personen, die im beruflichen Kontext mit Stalking zu tun haben.

Darüber hinaus verstehen wir unsere Aufgabe ebenfalls in der Sensibilisierung und Aufklärung der Öffentlichkeit hinsichtlich des Themas Stalking sowie im Aufbau eines Netzwerks, an dem Beratungseinrichtungen, Ämter und Strafverfolgungsbehörden zusammenwirken. Nur so kann Stalking effektiv eingeschränkt werden.

Keynote 1: Beziehungsgewalt hat viele Gesichter Der Vortrag umreißt die physischen und psychischen Formen von Beziehungsgewalt, um dann die vielen Erscheinungsformen von Stalking zu beleuchten. Ist es schon Stalking, jemanden im Netz zu checken, wie es in der Alltagssprache benutzt wird? Dann hätten wir alle schon gestalked! Stalking beginnt, wo die eine Person sich eindeutig abgrenzt und jegliche Form der Kontaktaufnahme ablehnt.

Stalkinghandlungen finden in der analogen Welt, im Alltag statt, wenn Stalker*innen ihren Opfern auflauern, ihnen nachlaufen, sie belästigen. Am meisten werden jedoch elektronische Nachrichten verschickt, E-Mails, Whats-App, SMS und als Posts in den sozialen Medien. Von Cyberstalking sprechen wir erst dann, wenn Accounts gehackt, Fakeprofile angelegt werden, wenn Passwörter geknackt werden, also wenn der digitale Raum selbst zum Schauplatz des kriminellen Geschehens wird. Kann man Cyberstalking von Cybermobbing, von Hatespeech unterscheiden?

Fokusraum II: Welchen Schutz bietet unsere Gesellschaft den Stalkingopfern? In interaktiver Form werden die rechtlichen Möglichkeiten zum Schutz vor Stalking vorgestellt und diskutiert. Was kann ich persönlich tun, um mich vor Stalking zu schützen, worauf muss ich im Alltag achten? Wie schaffe ich mir „stalking-freie Räume“, auch wenn das Stalking weitergeht?

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